All for Joomla All for Webmasters

Taubertal Festival 2014

TAUBERTAL-FESTIVAL 2014

Rothenburg ob der Tauber, 08.-10.08.2014

Ein neues Jahr …. Und wir sind wieder für Euch dabei!

Freitag, 08.08.2014

Heute starte ich mal direkt mit einem kleinen Abriss der auftretenden Bands und berichte morgen ein wenig vom Drumherum.

Los geht es auf der Sound for Nature Bühne. Opener für die kleine Bühne sind Tune Circus aus Ludwigsburg/Stuttgart. Der Start ist nicht schlecht und ich vermute mal, dass wir dieses Jahr auf der kleinen Bühne noch das ein oder andere Schmankerl erwarten dürfen. Jetzt aber zurück zu Tune Circus. Robert Reister (Sänger), Matthias Kemm (Gitarre), Jan Petersen (Bass) und Mike Da Silva (Schlagzeug) spielen generationsübergreifenden Alternative Rock. Bekannt wurden die Jungs 2007 als sie zum Newcomer des Jahres bei Das Ding (SWR Jugendsender) gewählt wurden. Robert Reister schafft es spielend sich im Kopf der Zuhörer festzusetzen und es ist ein Spass, den Kerlen zuzuhören. Sie spielen als Einheit – ein Garant dafür, dass Musik aus einem Guss ist.
Fazit: Mehr davon und Tune Circus haben ihr sich selbst gesetztes Tagesziel erreicht: eine fette Show abzuliefern.

Bildergalerie Tune Circus

 

Bleiben wir auf der Sound for Nature Bühne. Um 14:45 erstürmen Montreal die Bühne. Musiker aus dem fernen Kanada? Weit gefehlt, das sind Hamburger Jungs. Aber woher dann der Name? Hier ist Max Power, Schlagzeuger der Band, Namensgeber: Montreal ist seine Geburtsstadt.

Ganz ehrlich? Bewusst wahrgenommen hab ich die Band bisher nicht – und sie sind schon seit Ende 2003 auf den Bühnen unterwegs. Derzeit touren sie mit ihrem vierten (!!!) Studioalbum Malen Nach Zahlen quer über die Festivalbühnen. Das Montreal bisher von mir nicht richtig bemerkt wurden, mag vielleicht daran liegen, dass sie noch keinen wirklichen Durchbruch hatten, vielmehr – so laut Homepage des Taubertal-Festivals – wächst das Trio mit jeder Tour und jedem Album. Tja, was soll ich sagen? Respekt meine Herren, das hat mich ja mal begeistert – ich ziehe meinen Hut und entschuldige mich, euch bisher überhört zu haben. Texte, die man sich ruhig zweimal anhören sollte und trotzdem zählt nur eins bei den Auftritten: Spaß, Spaß, Spaß.
Fazit: Raus aus dem Fotograben und ab in die Menge und mitfeiern. ‚Stimmung wie um 22:00 Uhr‘ – Zitat von der Bühne – und eine glatte Kaufempfehlung für das neue Album.

Bildergalrie Montreal

Ab geht’s zur Hauptbühne und damit zum eigentlichen Start des TTF.

FIVA Und Band – letztes Jahr im Steinbruch der letzte Act des TTF – dieses Jahr der Opener auf der Hauptbühne und das nicht unverdient. Deutscher Rap mit Frauenstimme. Texte die ihr Augenmerk auf den Alltag und seine oft nicht mehr wirklich wahrgenommenen Nebenschauplätze lenkt, werden von Nina Sonnenberg – die auch eine erfolgreiche Moderatorin ist - mit charmanter Art präsentiert.

Fazit: Hört euch FIVA an und lasst euch von ihr verzaubern. Ja richtig gelesen - Songs wie Die Stadt Gehört Wieder Mir oder Einen Sommer Lang Nur Tanzen verzaubern.

Bildergalerie Fiva und Band

Um 17:00 Uhr wird’s politisch. SDP betritt die Bühne. Und der Titel ihrer neuen CD Bunte Rapublik Deutschpunk ist Programm. Vincent Stein und Dag-Alexis Kopplin sorgen schon seit 10 Jahren mit ihrer Mischung aus Pop, Hip-Hop und Reggae auf ausverkauften Touren für Furore. Sie selbst bezeichnen sich als die bekannteste unbekannte Band der Welt – das allein ist schon Erklärung genug, das der Platz vor der Bühne voll ist und die Menge Songs wie Eigentlich Wollte Er Nie Ein Liebeslied Schreiben, Lied Für Die Fans Von Den Anderen Bands und natürlich Ne Leiche textsicher mitfeiert.

Fazit: Satirisch und mit einem ironischen Augenzwinkern verarbeiten die beiden Vollblutmusiker in ihren Texten Weltpolitik und die kleinen feinen Alltagsmomente. Gepaart mit einer Bühnenshow die vor Humor, Action und Massenbewegung des Publikums sprüht sind SDP definitiv schon ein kleines Feuerwerk des heutigen Tages.

Bildergalerie SDP

Zurück zur Sound for Nature Bühne. Dort treten als nächstes Eskimo Callboy auf - eine Metalcore/Trancecore Band aus dem Ruhrpott. Die sechs Jungs von Eskimo Callboy (Sebastian ‚Sushi‘ Biesler – Gesang, Kevin Ratajczak – Gesang und Synthi, Daniel Haniß – Gitarre, Pascal Schillo – Gitarre, Daniel Klossek – Bass und David Friedrich – Schlagzeug) sahen sich schon oft der Kritik ausgesetzt, dass ihre Texte frauenfeindlich wären. Wer aber etwas genauer hinhört und ein Ohr für Sarkasmus besitzt, kombiniert mit der Fähigkeit nicht alles was über ein Mikrofon gesagt wird (frei nach dem Motto: Glaub keinem Sänger) wird merken, dass es in den Texten hauptsächlich um Erlebnisse unter massiv größerem Alkoholeinfluss geht und den daraus entstehenden Situationen. Diese werden mit allen möglichen Klischees und jeder Menge Fantasie noch ausschweifend ausgeschmückt.

Fazit: Eskimo Callboy sind Geschmackssache – und so steht es jedem frei, sie zu mögen oder nicht. Aber eins ist sicher: die Show an diesem Tag stimmt.

Bildergalerie Eskimo Callboy

Ich gebe es zu, ab einem gewissen Alter freut man sich auf Künstler mit langjähriger Bandgeschichte und so zieht es mich jetzt zur Hauptbühne: Dort tritt als nächstes Jimmy Eat World auf. Angefangen als Highschool Band in Mesa, Arizona, die Metallica Songs gecovert haben, haben sich Jimmy Eat World zu einer der beständigsten Band im Genre Alternative Rock etabliert. Sänger Jim Adkins, Schlagzeuger Zach Lind, Gitarrist Tom Linton und Bassist Rick Burch werden mit großem Beifall begrüßt. Mit der bunten Mischung aus Ihrer Diskographie lassen Jimmy Eat World alte Erinnerungen aufleben und begeistert die Masse. Opener I Will Steal You Back von der aktuellen CD Damage ist ein gelungener Einstieg.

Fazit: Immer wieder klasse so ein Auftritt von Jimmy Eat World. Mitsingfreudiges Publikum und eine bewegte Party in den vorderen Reihen inklusive.

Bildergalerie Jimmy Eat World

Und wieder geht es ans andere Ende des Festivalgeländes zur Sound for Nature Bühne. Trampled by Turtles – musikalische Seelenfänger sind unterwegs im Taubertal. Die Combo aus Minnesota erreicht mit ihren akustischen Songs die Menschen. Stimme von Dave Simmonett, Tim Saxhaug am Bass, Dace Carroll am Banjo, Erik Berry mit der Mandoline und Ryan Young an der Geige sind definitiv mehr was für Liebhaber guter Musik und den älteren Festivalbesuchern und so nimmt sich das jüngere Publikum eine kleine Auszeit.

Fazit: Schön, einfach nur mal schön – und ein kleiner Ruhepol an diesem lauten Tag.

Bildergalerie Trampled by Turtles

Nun ein kleiner Rückblick ins Jahr 2013: Nackte Oberkörper und die volle Bandbreite ihres Könnens, gepaart mit meinem Wunsch am Ende des Auftritts mehr davon zu haben hat Früchte getragen. Sie sind auch dieses Jahr wieder dabei: Biffy Clyro. Was jetzt kommt ist Rock vom Feinsten – kein Wunder: die sympathischen Schotten sind Meister ihres Fachs. Schon bei den ersten drei Songs legen Simon Neil, James Johnston und Ben Johnston los – ohne Kompromisse. Besonders Simon Neil ist ein explodierendes Energiebündel, nicht nur körperlich – vor allem stimmlich.

Fazit: Brachiale Musik, eine unvergleichliche Stimme, charismatische Künstler – die ihr Publikum auf Deutsch begrüssen - und eine absolut textsichere und stimmgewaltige Menschenmasse vor der Bühne bescheren den bisher eindrucksvollsten Auftritt des Tages.

Bildergalerie Biffy Clyro

New York, Rio, Taubertal – Auftritt der Sportfreunde Stiller. War bei Biffy Clyro kaum noch Platz vor der Hauptbühne und am Hang, so ist es jetzt fast unmöglich noch ein Plätzchen zu bekommen, das auch nur noch ein kleines bißchen Bewegungsfreiheit bietet, zu finden. Was erwarte ich von den Sportis? Eigentlich nur einen krönenden Abschluss des ersten Tages, eine Mischung aus alten und neuen Songs und jede Menge gute Laune auf und vor der Bühne. Was ich bekomme ist eine Party unter Freunden, das Taubertal wird zum Wohnzimmer und ein Chor ohne gleichen erhebt seine Stimme. Gefeiert werden Songs wie 7 Tage 7 Nächte; Ich, Roque; Wunderbahren Jahren und bei Ein Kompliment kommt sogar Gänsehaut auf. Und als Schlagzeuger Flo zum Mikro greift und Es muss was Wunderbares sein (von mir geliebt zu werden) performt, sind die Mädels nur schwer zu halten.

Fazit: Meine Erwartungen haben die Sportis erfüllt. Peter Brugger, Florian ‚Flo‘ Weber und Rüdiger ‚Rüde‘ Linhof beziehen die Masse vor der Bühne in die Show mit ein und sagen Danke für 18 Jahre, die – so Peter Brugger – von den Sportis als Geschenk und etwas Unglaubliches empfunden werden.

Bildergalerie Sportfreunde Stiller

Fazit Tag eins: Ein bunt gemischtes Programm, dass für jedes Alter und jeden Musikgeschmack etwas zu bieten hat. Hier das wirkliche Highlight des Tages zu benennen fällt mir nicht leicht, weil sich alle Künstler – je nach Bühnenerfahrung und Performancerichtung – auf einem ähnlichen hohen Niveau bewegen.

Bildergalerie Impressionen Freitag

Samstag, 09.08.2014

Auch dieses Jahr gibt es wieder ein paar neue Sachen auf dem TTF. Also nutze ich die Zeit vor dem ersten Act um mich ein wenig umzuschauen. Auf dem eigentlichen Festgelände präsentiert sich Gauloises mit einem Café de l’art kurz vor der Sound for Nature Bühne. Sessel, die zum chillen geradezu einladen, mit Blickrichtung zur SfN-Bühne, einer Bar und unter dem Zeltdach eine kleine Bühne. Wie noch eine Bühne? Ja, hier treten vereinzelt noch Künstler auf, die nachts im Steinbruch für Stimmung gesorgt haben, wie zum Beispiel Liedfett.

Auch ein kleiner Biergarten, leicht im schattigen Teil des hinteren Hangs gelegen, ebenfalls nahe der SfN-Bühne lädt zum Verweilen und gemütlichem Plausch direkt auf dem Festivalgelände ein.

Die Preise an der Fressmeile direkt auf der Eiswiese sind nicht überteuert und es ist ein reichhaltiges Angebot vorhanden – und zu meiner großen Freude gibt es auch einen Stand mit Met. Jihar! sage ich da nur. Aber das gönne ich mir erst später, nach getaner Arbeit.

Die Veranstalter haben zu einer kleinen Pressekonferenz in der neuen VIP-Lounge geladen. Das sehe ich mir mal an, weil getreu nach dem Konzept: Umweltschutz und TTF das funktioniert, haben die Veranstalter mit Holz direkt aus Rothenburg und Kiesschotter Sitzplätze für gut 80 – 100 VIP-Kartenbesitzer geschaffen. Nach Ende des Festivals bleibt die Lounge, um zu sehen, wie sie sich in das geschützte Waldgebiet einfügt. Florian Vogel (Umweltbeauftragter) und Florian Zoll (Orga-Team) sind diesbezüglich optimistisch. Und der Blick auf die Bühne ist schon sehr gut.

Neu dieses Jahr ist, das Team von Sound for Nature auf den Campingplätzen Rundgänge macht und – nach Zustimmung der Besitzer – auf die Zelte Love your Tent sprüht. Dies soll dazu anregen, das die Besucher ihre Zelte nicht einfach stehen lassen nach diesem Wochenende, sondern wieder mitnehmen und bei einem ihrer nächsten Festivalbesuche – gerne auch europaweit – aufstellen und somit ein Signal setzen. Wünschenswert, also macht mit. Vielleicht lässt sich das so auf den Festivals dieser Welt etablieren. Traurig, wenn der ein oder andere dann meint, sein Zelt oder sogar noch mehr einfach stehen zu lassen. Bedenkt bitte, dass die Veranstalter diesen Sperrmüll entsorgen müssen, was zusätzliche Kosten verursacht, die dann automatisch und zwangsläufig, um noch einigermaßen kostendeckend arbeiten zu können, auf die Tickets umgeschlagen wird. Am Ende schneidet man sich mit dieser einfachen Müllentsorgung also ins eigene Fleisch. Außer, der Müll ist eindeutig einem Besitzer zuzuordnen. Dann darf der sich auf eine Rechnung freuen.

Für Unmut bei einigen Besuchern hat dieses Jahr gesorgt, dass die Anreise nicht wie gewohnt schon ab Mittwoch gestattet war, sondern erst ab Donnerstag. Florian Zoll nahm dazu Stellung und machte noch einmal deutlich, dass erfahrungsgemäß, maximal 10 % der Festivalbesucher am Mittwoch anreisen. Hauptaspekt für diese Maßnahme war eine Senkung des Unfallrisikos, da es immer mal wieder durch Unvorsichtigkeit von Verkehrsteilnehmern zu brenzligen Situationen kam, da der Weg zum Campingplatz bis einschließlich Mittwoch auch dem Regelverkehr zur Verfügung steht. Man ist sich zwar der Frustsituation der Besucher bewusst, jedoch spiele das individuelle Stauschicksal eines jeden Einzelnen hierbei auch eine Rolle. Das eigentliche Stauproblem entsteht erst direkt am Campingplatz, da dort beide Anfahrtswege zusammengeführt werden und beim Check-In sofort die Bändchenausgabe erfolgt. Auch eine Verlegung der Bändchenausgabe an einen zweiten Servicepunkt auf dem Anfahrtsweg würde die Stauproblematik nicht auflösen, sondern auf zwei Knotenpunkte verteilen.

Nichts desto trotz gab es ca. 700 Besucher, die ihr Glück trotzdem am Mittwoch versucht haben – ohne Erfolg.

Jetzt aber wieder zurück aufs Festivalgelände. Was erwartet mich da heute: Frösche (die nicht weinen), Rock mit einer Prise Folk, die Frage Hast Du heute schon gelebt, die Feststellung Alles endet (aber nie die Musik) und jede Menge mehr.

Beginnen wir mit dem Weckruf des heutigen Tages. Auf der Sound for Nature Bühne starten um halb zwei Shark Tank. Wer jetzt auf dem nahe gelegenen Green Camping Bereich noch nicht wach ist, hat schlechte Karten weiter zu schlafen. Shark Tank haben sich für ihre Fans was Besonderes ausgedacht: der gesamte Auftritt wird mitgeschnitten und zeitnah auf YouTube veröffentlicht. Und natürlich nutzen sie auch die Gelegenheit, ihre neue Single Gatecrusher von der CD The Path Of The Shark vorzustellen. Die Jungs aus Hersbruck sind angesiedelt irgendwo zwischen Hardcore und Metal. Und genau das ist es was auf die frühen Besucher einprasselt. Sänger Axel Schuhmann haut Töne mit seiner gewaltigen Stimme raus, die ihre Wirkung nicht verfehlen.

Fazit: Ich bin wach – allein durch diese Stimmgewaltigkeit.

Kurz darauf heizen Emil Bulls ein. Vor der Bühne ist es voll und die Bulls laut. Langjährigen Emergenza Verfolgern werden sie nicht unbekannt sein. 1997 waren sie bei der Europawertung Drittplatzierte. Rechtzeitig zum Release ihres neunten Albums Sacrifice To Venus sind sie wieder auf den Bühnen unterwegs mit ihrem Crossover-Rock. Was aus braven (?) Klosterschülern (Sänger und Gitarrist Christoph [Christ] von Freydorf) und Kirchenchormitgliedern (James [Citnoh] Richardson am Bass) mal werden kann …. Zur Band gehören noch Stephan Karl, genannt Moik und Andy Bock an den Gitarren und Manu Lotter am Schlagzeug.

Fazit: Nicht umsonst sind die Herrschaften Drittplatzierte gewesen. Mich konnten sie nicht ganz auf ihre Reise mitnehmen – aber das macht ja nix.

Bildergalerie Emil Bulls

Um 15:30 Uhr erwacht die Hauptbühne. Shirts mit dem Aufdruck von Lagwagon sieht man ja des öfteren auf Festivals – aber davon gehört? Bei mir Fehlanzeige (ja, ich stehe zu meinen Wissenslücken). Fakt ist, die Herren Joeye Cape (Gesang), Chris Flippin und Chris Rest (Gitarre), Joe Raposo (Bass) und Dave Raun (Drums) spielen melodischen und schnellen Punk und das seit 1990. Das Alter sieht man ihnen an, aber das hindert die Band nicht daran, eine lebendige Show abzuliefern.

Fazit: Die Stimme und die Bühnenpräsenz von Joey Cape beeindrucken und Punkliebhaber sollten sich den Oktober 2014 vormerken, wenn das neue Album Hang erscheint.

Bildergalerie Lagwagon

Was hat man sie vermisst die letzten Jahre – aber sie sind wieder da. Verdammt - tut das gut. Von vielen Besuchern sehnsüchtig erwartet ist ab den ersten Tönen des Gigs nur ein Ziel zu erkennen: Party. Und das gelingt ohne Probleme. Die Schröders, das sind Burger (Gesang), Hämpy (Gitarre), O-Lee (Bass) und Sascha (Schlagzeug) haben nach wie vor Punk im Blut und die Menge erinnert sich ohne Probleme an alle Songtexte die mit einem Augenzwinkern daherkommen. Und so ist es kein Wunder, wenn Songs wie Lass Uns Schmutzig Liebe Machen, Goldener Reiter und natürlich Frösche Weinen Nicht lautstark zelebriert werden.

Fazit: Danke Schröders für 50 Minuten Party.

Bildergalerie Die Schröders

Und wieder geht es quer über die Eiswiese zur SfN-Bühne. Kill It Kid sind dran. Hinter diesem Namen versteckt sich ein weiterer besonderer Moment auf der kleinen Bühne. Bluesrock mit Gitarrenriffs, die das Herz eines jeden Gitarristen höher schlagen lassen, die Stimme und Ausdrucksstärke von Sängerin Stephanie Ward und der nicht weniger stimmgewaltige Chris Turpin sowie Mark Jones (Drums) und Dom Konzubik (Bass) sorgen für ein rundum gutes Hörerlebnis.

Fazit: Ich muss mich wiederholen: Ein Besuch der SfN-Bühne offenbart kleine Schätze.

Bildergalerie Kill it Kid

Es ist ein TTF des Wiedersehens: Was jetzt auf der Hauptbühne für Stimmung sorgt sind alte Bekannte: The Subways. Von Anfang an haben Billy Lunn (Gesang und Gitarre), die so gut wie nie stillstehende Charlotte Cooper (Bass und Gesang) und Josh Morgan an den Drums das Publikum in ihren Bann gezogen und lautstark wird mitgesungen. Natürlich gibt es auch einen Vorgeschmack auf die neue CD mit der Single My Heart Is Pumping To A Brand New Beat.

Fazit: Starke Show mit viel Bewegung auf der Bühne, die in null komma nix auf die Besucher übergeht.

Bildergalerie The Subways

Was ich anschließend zu hören bekomme lässt mich kurz innehalten. Die Sound for Nature Bühne betritt Dave Hause. Ein Songwriter, dessen Songs das Leben zwischen Hoffnung und Scheitern des einfachen Mannes beschreiben. Rock Songs gemischt mit Folk und Punk, eine Stimme die berührt. Beim Song Time Will Tell merkt man mit welchem Herzblut Dave Hause seine Songs schreibt und live performt. Zur Zeit tourt er mit seinem zweiten Album Devour durch Europa – vielleicht sollte ich mal wieder Platz in meinem CD-Schrank machen.

Fazit: Wer Gelegenheit hat, Dave Hause live zu erleben sollte es tun.

Bildergalerie Dave Hause

Wir zogen einst so durch die Welt, wir hatten Durst, wir hatten Geld angekommen im Bayernland nahmen wir das erste Bier zur Hand – so, wer von euch weiß wer jetzt der Menge einheizt? Na – ich warte … Richtig Broilers – sie sind auch wieder dabei. Beeindruckender Start in ihre Show mit schwarzen und roten Rauchsäulen, ein fallender Bühnenvorhang und die Eiswiese ist nicht mehr zu halten. Schon 2012 waren Broilers ein Highlight und das sind sie auch dieses Jahr wieder. Der Platz vor der Bühne ist mehr als gut besucht – wer will diese Band schon verpassen? Begeben wir uns auf eine Reise In 80 Tagen Um Die Welt, stellen uns die Frage Heute Schon Gelebt und sind gespannt auf Ich Will Hier Nicht Sein vom neuen Album Noir. Die Eiswiese bebt – und das die vollen 90 Minuten. Dann ist es vorbei – leider und endet mit zwei Feuerwerksschüssen in den Rothenburger Nachthimmel. Leider können wir Euch dieses beeindruckende Bild nicht zeigen – dieser Moment war nur den Fotografen des TTF vorbehalten. Schade eigentlich.

Fazit: Broilers sind und bleiben ein musikalisches Schmankerl. Danke an Ines Maybaum, Sammy Amara, Andreas Brügge und Christian Kubczak.

Bildergalerie Broilers

Zeit für den heutigen Hauptact: Casper – HipHop mit Texten, die man sich mehr als einmal anhören sollte. Casper trifft den Nerv seiner Zielgruppe mit Zeilen die nicht einfach nur runter geschrieben sind. Nein er ist lyrisch ein Wortzauberer und verpackt das mit seiner Stimme zu HipHop, der mitzieht. Und wer glaubte jetzt noch irgendwo ein Plätzchen zu bekommen der hat sich getäuscht. War es gestern schon kuschelig so ist es heute extrem kuschelig. Dicht an dicht steht die Menge, Mädels werden auf Schultern getragen und alle feiern. Feiern sich und das Leben, die Musik die niemals endet und den Auftritt von Casper. Mit Recht.

Fazit: Ich fühle mich lebendig und das trotz - oder gerade deswegen - eines langen Tages auf dem Festival.

Bildergalerie Casper

Wer nach Casper noch Energie hat pilgert zur Nebenbühne und lässt den Tag ausklingen mit Russkaja. Was heißt ausklingen – bei Russkaja gilt nur eins: TANZEN. Und das wird getan. Russkaja mit ihrem Ska sorgen für gute Laune und so lässt sich das feierwütige Volk in Sekundenschnelle von der Stimmung anstecken.

Rückblick Tag zwei: Stimmung von der ersten bis zur letzten Minute. Verborgene Schätze der Musikszene, ein freudiges Wiedersehen und alte Bekannte haben diesen Tag kurzweilig und interessant gemacht. Ein Highlight habe ich auch heute nicht, vielmehr gehe ich mit vielen neuen Eindrücken vom Festivalgelände und lasse den ein oder anderen Auftritt ( Dave Hause, Die Schröders, Broilers und Casper ) auf mich nachwirken.

Wir sehen uns morgen, da haben sich SEEED angekündigt – man darf gespannt sein. Jetzt noch ein Met (ihr erinnert euch?) und dann ab ins Bett.

Bildergalerie Impressionen

Sonntag, 10.08.2014

Der letzte Tag des Festivals bricht an. Ein kleiner Besuch im Gesichterbuch macht mich auf einen kleinen Vorfall während des Broilers Konzert aufmerksam. Da hat doch tatsächlich (mit Verlaub) irgendeiner der des Denkens nicht ganz mächtig zu sein scheint Bengalos während des Auftrittes losgelassen. Mal ehrlich, auch wenn die Broilers ihre Show so anfangen und es auch immer als Special Effekt nett anzuschauen ist, so darf man doch nicht verkennen, das ein Zünden von Bengalos in einer Menschenmenge auch gewisse – nicht unbedingt nur geringe – Risiken mit sich bringt. Zwar wurde der Besitzer des Bengalos aus der Menge entfernt, da er aber (so laut Information des Orga-Teams) behauptete, das Bengalo aus Sicherheitsgründen nur aufgehoben zu haben, war es – und hier muss man sich dann dem Rechtssystem beugen – nicht eindeutig festzustellen ob er auch Eigentümer und Zünder des Bengalos war, so dass man auf das Aussprechen eines Hausverbotes verzichtet hat.

Also mal ganz ehrlich Leutz: Muss das wirklich sein???? Könnt ihr nicht einfach nur die Shows, die wirklich gut sind – genießen und feiern!!!

Heute tritt ein kleiner Geheimtipp – natürlich auf der Sound for Nature Bühne – auf. Ich bin mal gespannt, ob dieser Tipp wirklich so gut ist – aber dazu mehr später. Gehen wir erst einmal zur Hauptbühne wo heute eine schwedische Band den Auftakt macht, die Movits. Wer sich ein bisl schlau über die Band gemacht hat, wird über etwas stolpern, und zwar über Big Band Sound. Und das auf dem TTF? Gut wir lösen auf: Die Band Movits paart das mit Hip-Hop und schon wird ein Schuh aus dem Ganzen. Zu den Texten kann ich euch leider nicht viel sagen, die waren auf Schwedisch. Vielleicht lag es daran, dass trotz gut abgelieferter Show die anwesenden Besucher sich nicht so ganz mitziehen ließen.

Fazit: Wer auf diese doch sehr eigene Mischung steht, findet sicher Gefallen an den Movits, den tanzbar sind ihre Songs und warum das Ganze nicht mal mit dem Kopf In den Wolken (Original: Huvudet Bland Molden) – so der Titel des aktuellen Albums der Band.

Bildergalerie Movits

Nächster Act auf der Hauptbühne sind die Sieger des Emergenza Wettbewerbes, die sollte man mal im Auge behalten. Guter Sound mit Potential zu mehr: The Scheen aus Norwegen. Jung und mit einer Show, die die Besucher vor der Bühne hielt wussten die Jungs zu begeistern. Platz zwei geht an die französische Band The Kitchies und Platz 3 geht nach Polen zu Shata QS.

Was jetzt kommt ist pure Energie aus England: Enter Shikari. Die Jungs mischen Trance und Post-Hardcore. Eigenwillig, aber nicht unmöglich. Was uns da auf der Bühne um die Ohren geschmissen wird ist ein lauter Wirbelsturm an Stimme und Energie. Und als Bassist Chris Batty C Batten sich mit Instrument in die vorderen Reihen drängt und zum Mosh-Pit aufruft, gibt es kein Halten mehr. Und sie halten diese Energie über den kompletten Auftritt. Keine Minute, in der es auf und vor der Bühne zum Stillstand kommt. Fazit: Die Eiswiese wurde geENTERt, von Shikari.

Bildergalerie Enter Shikari

19 Uhr, Zeit für den Geheimtipp: Auf der Sound for Nature Bühne tritt die deutsche Band Blackout Problems auf. Was man den drei jungen Herren nicht sofort ansieht, ist , dass sie über nicht gerade wenig Bühnenerfahrung verfügen. Mit knapp Anfang 20 haben Marcus (Bass und Vocals), Mario (Gitarre und Vocals) sowie Michael (Drums) rund 200 Konzerte absolviert auf denen sie ihre Musik (Alternative, Indie Rock) zum Besten geben. Was da vor der Bühne steht ist der Wahnsinn, wir hatten vielleicht mit ein paar Leuten gerechnet – aber das … (den genauen Wortlaut hab ich nicht mehr ganz auf dem Schirm) – so die erste Reaktion von Blackout Problems als ihr Auftritt beginnt. Und es stimmt – der Platz vor der Bühne ist gut gefüllt und weil noch ein bisl Platz ist holt Mario das Publikum mit einem beherzten Sprung über die Absperrung und höchstpersönlich bis ganz nach vorne an die Bühne. Auch die Herrschaften in der Gauloises Lounge lassen sich mitreissen und füllen den letzten Platz vor der SfN-Bühne. Und dann legen die drei erst richtig los. Blackout Problems liefern eine Live-Show ab, die bis zu diesem Moment zu den besten des diesjährigen TTF gehört – sowohl musikalisch als auch von der Show selbst. Sie ziehen die Zuhörer in ihren Bann – spielen mit den Anwesenden - ohne großes TamTam, nur durch ihre Musik. Übrigens auch ganz zahm mit Akustik-Sound sind die Jungs nur schwer mit Gold aufzuwiegen.
Fazit: Sympathische Band, die eine Liveshow abgeliefert hat die mehr als überzeugte. Holt euch die CD’s der Jungs: LIFE und TWENTYFOURSEVEN.

Bildergalerie Blackout Problems

Heute bietet die Hauptbühne eine kleine Reise durch Europa. Nach Schweden, Norwegen und England ist jetzt ein Vertreter der spanischen Musikszene auf der Bühne. Ska-P treten an, um die Menge vor dem letzten großen Act anzuheizen. Und das schaffen die acht Jungs auch ohne große Mühe. Eins merkt man diesen Energiebündeln an: Wichtig ist ihnen, dass sie als Einheit auf der Bühne auftreten – sich gegenseitig ergänzen. Seit 1995 Pipi ( Ricardo Degaldo de la Obra – Zweitstimme und verantwortlich für die Showeinlagen) bei der Band ist, sind die Shows noch bunter und verrückter. Ein Glück für die Skapunk Gruppe, die seit dem einen stetig steigenden Erfolg – und dass ohne groß angelegte Promotion – zu verzeichnen hat. Hymnen wie Cannabis sind seit dem legendäre Songs, die frenetisch gefeiert werden.
Fazit: Ska-P überzeugen mit ihrer Muttersprache und ihrer Show.

Bildergalerie Ska-P

Eiswiese, Sonntagabend 21 Uhr. Ein Blick gegen Himmel lässt uns bangen. Ein Blick auf die Wetter-App ebenfalls. Eine Regen-/Gewitterwahrscheinlichkeit von 75 % verheißt nichts Gutes für den Auftritt des letzten Acts. 21:05 Uhr – na Klasse: Die Wetter-App scheint recht zu behalten. Ein Regenguss geht auf das feierwütige Volk runter. 21:25 Uhr – puuh, der Regen hat aufgehört. Alles nochmal gut gegangen.

Dachte ich schon an den letzten beiden Abenden es passen nicht noch mehr Leute vor eine Bühne, werde ich heute eines Besseren belehrt. Bis auf den allerletzten Platz – ohne Witz Leute – ist die Eiswiese inklusive Hang gefüllt. Hinter den Absperrungen auf dem Radweg stehen die Leute und wollen nur eins. Feiern mit SEEED. Und das passiert auch. Auch wenn pünktlich zu Konzertbeginn sich alle Himmelsschleusen wieder öffnen und ein wahres Regenfest von oben herunterkommt, ist ab dem Zeitpunkt wo der Vorhang fällt, Stimmung da. Ich muss euch nicht wirklich was zu den 11 Jungs sagen oder? Mit Ihrem Reggae/DanceHall Sound und ihren immer wieder imposanten Liveshows haben sie sich zu einer Institution der deutschen Musikszene entwickelt, die man nicht mehr missen möchte. Ganz egal ob es um das dicke B geht, egal welcher der drei Frontmänner (Enuff alias Peter Fox alias Pierre Baigorry, Ear alias Boundzound alias Demba Nabè oder Eased alias Delle alias Frank A. Del) die Menge auffordert zu tanzen oder irgendetwas auszuziehen – alle (!) machen mit. Wir lassen uns vom Regen nicht abhalten – und irgendwann erbarmt sich auch Petrus und schließt die Schleusen.
Was bleibt ist das tolle Gefühl im Regen getanzt zu haben und eine Party miterlebt zu haben, die ihresgleichen sucht.
Fazit: Starke Bühnenshow, starke Stimmen, starke Stimmung – krönender Abschluss für das TTF.

Bildergalerie Seeed

Gesamtfazit des diesjährigen Taubertal-Festivals: Kommt das Taubertal normalerweise idyllisch und ruhig daher, ist es doch für die drei Tage des Festivals der beste Ort bis in die Nachtstunden bei guter, lauter Musik zu feiern. Drei Tage lang Bands der unterschiedlichen Musikrichtungen, die alle das Bookingcredo von Veranstalter Volker Hirsch – eine gute Live-Performance abzuliefern – erfüllen, ein feierwütiges Volk das es versteht, die Eiswiese zum Beben zu bringen und einen Wettergott der ein Einsehen hat.

Positiv zu erwähnen ist noch, dass es – im Gegensatz zu den letzten Jahren – bei den Auftritten der gebuchten Bands keine zeitlichen Überschneidungen gab, so dass man zwischen den einzelnen Bühnen und Acts entspannt hin und her pendeln konnte. Bitte beibehalten!

Und das dieses Jahr die 3-Tages-Tickets ausverkauft waren lässt für 2015 nur eine Vorhersage zu: Es ist kein Ende in Sicht, in 2015 feiern wir 20 Jahre Taubertal-Festival. Also sichert euch jetzt schon die Karten für das TTF 2015 vom 7. – 9. August. Wir sehen uns!

Bildergalerie Impressionen Sonntag

Sonja Häfner
unterwegs für den German Rock e.V