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Chapeau Monsieur Jarre …

Jean-Michel Jarre - Festhalle Frankfurt, 16. Oktober 2016

Sechs Jahre ist es her, seit der mittlerweile 68-jährige Altmeister der elektronischen Klänge ein Konzert in Deutschland gegeben hat. Diese Durststrecke findet jetzt ein Ende. Während seiner Electronica World-Tour 2016 gibt er insgesamt 6 Konzerte in Deutschland und bringt mit einer spektakulären Liveshow sein neues Werk auf die Bühne.

Die beiden kooperierenden Alben Electronica 1 – The Time Machine und Electronica 2 – The Heart Of Noise bieten auch einen guten Grund dafür. Eindrucksvoll meldet sich der aus Paris stammende Musiker mit diesen beiden Alben zurück, bei denen er mit Größen der internationalen Musikszene (Electronica 1 unter anderem mit Pete Townsend, Tangerine Dream und Lang Lang, Electronica 2 zum Beispiel mit Pet Shop Boys, Cyndi Lauper, und Hans Zimmer) zusammengearbeitet hat.

Noch ist die Bühne abgedunkelt. Das Podest – auf dem im Laufe des Abends Monsieur Jarre sein Können unter Beweis stellen wird – ist mit Synthesizern und Equipment aus früheren Zeiten besetzt. LED-Leinwände und -Vorhänge, die sich bei einigen Lichtsequenzen des Abends wie von Geisterhand bewegen werden, vervollständigen das Bühnenbild. Unterstützt wird der Meister an diesem Abend von den Herren Claude Samard und Stephane Gervais.

Nach einer gut halbstündigen Aufwärmphase mit DJ-Klängen beginnt das Konzert des Franzosen. Auf der hinteren Videoleinwand erscheinen sich drehende Würfel, die ersten Töne von The Heart Of Noise erklingen und Jean-Michel Jarre betritt die Bühne. Und das Publikum des heutigen Abends – altersmäßig bunt gewürfelt wie selten bei einem Konzert – begrüßt seinen Godfather of Electronic Pop mit langanhaltendem Applaus. Vor dem zweiten Stück, Automatic 2, bedankt sich der Künstler für den herzlichen Empfang und begrüßt seinerseits das Publikum auf Deutsch mit ‚Guten Abend, Frankfurt!‘

Visuelle Elemente spielen schon immer eine große Rolle bei den Konzerten von Jean-Michel Jarre und so ist es auch an diesem Abend. Er bietet eine außergewöhnliche Lightshow, wie ich sie persönlich noch niemals erlebt habe. Die Lightshow nutzt alle Farben des Regenbogens für Lasereinsätze, Videosequenzen werden eingespielt und die Klänge aus den Synthesizern eindrucksvoll in ein visuelles Konzert umgesetzt. Ich bin hin- und hergerissen zwischen dem Wunsch, jedes Detail zu sehen bzw. einfach nur den Klängen, die von der Bühne auf mich einströmen, mit geschlossenen Augen zu folgen.

Das Stück Oxygène 2 (das mittlerweile 40 Jahre jung ist) präsentiert er an diesem Abend im neuen Gewand. Es kommt – im Vergleich zu früher - sehr viel dynamischer, treibender daher und entwickelt eine mitreißende Kraft, die das Stück nicht verändert, sondern es einfach moderner, näher an den heutigen Sound angelehnt, erklingen lässt.

Kurz darauf eine weitere kleine Überraschung: Mit Web Spinner spielt der Künstler ein bisher unveröffentlichtes Stück aus seinem Repertoire.

Im Anschluss folgt einer der Höhepunkte des Konzertes. Für das aktuelle Album ist es Jean-Michel Jarre gelungen, einen Kooperateur zu finden, der bis dahin jegliche Zusammenarbeit mit Künstlern ablehnte: Der Amerikaner Edward Snowden. Gemeinsam haben Sie das Stück Exit erarbeitet. Ein schneller Techno-Track der sowohl für die stetige Suche nach Informationen und Daten im Netzt steht, aber auch die Jagd nach dem Whistleblower selbst symbolisieren soll, wie JMJ in einem Interview erklärte. Im verlangsamten Mittelteil des Songs, gibt er dem Amerikaner Snowden eine eigene Plattform, um sein Manifest (interessierte Leser finden es am Ende des Berichtes!) zu sprechen. Eindrucksvoll, das hier Edward Snowden auf der Videoleinwand im Hintergrund eingeblendet wird! Die Botschaft kommt auch in Frankfurt an und erhält einen langen Extra-Applaus.

Was jetzt folgt, ist ein weiterer Klassiker: Equinoxe 7. Für die Tour neu überarbeitet, kommt es moderner aber nicht weniger eindrucksvoll daher. Am Ende des Stücks greift der Meister selbst noch einmal zur Gitarre um dem Werk ein sehr rockiges Ende zu verpassen.

Mit Zero Gravity kommt ein weiterer – diesmal emotionaler Höhepunkt des Konzertes. Das Stück ist eher etwas ruhig, hat aber seinen ganz eigenen Charme. Gemeinsam mit Edgar Froese von Tangerine Dream entstand das Stück bereits 2015 für das Electronica 1 Album. Kurz nach dieser Zusammenarbeit verstarb der deutsche Musiker.

Während des gesamten bisherigen Konzertes merkt man eine brodelnde Unruhe im Publikum – es will sich einfach zur Musik von JMJ bewegen. Durch die Bestuhlung fühlt sich das Publikum im Parkett aber gehemmt. Auf den Rängen stehen schon etliche Konzertbesucher und feiern dieses einmalige Erlebnis. Die Erlösung kommt mit dem Stück Brick England, das er zusammen mit den Pet Shop Boys für das Album aufgenommen hat. Jarre selbst fordert in seiner Anmoderation die Besucher auf, aufzustehen und zu feiern. Darauf hat das Publikum nur gewartet. Jung und Alt erheben sich wie erlöst von ihren Sitzen und klatschen, tanzen oder bewegen sich einfach nur im Takt mit. Während des Stücks werden die beiden Engländer als animierte Figuren auf der Leinwand bei ihren Gesangspassagen eingeblendet.

Für Song 18 folgt noch einmal eine etwas längere Ansage durch Monsieur Jarre. Vielleicht um sich – wie er selbst sagt – auf den schwierigsten Moment des Konzertes einzustellen: Die legendäre Laser Harp kommt zum Einsatz. Erstmalig in den 80zigern auf seiner erfolgreichen Tour durch China eingesetzt, ist sie mittlerweile einer der Momente, auf den viele Konzertbesucher warten. Den Song den er sich auf dieser Tour dafür ausgesucht hat, ist der Titeltrack des Electronica 1 Albums The Time Machine.

Danach ist es vorbei. Berauscht von dieser Kombination aus Klängen und Lightshow verlangt der Saal mit minutenlangem Applaus die Rückkehr des Künstlers. Und der Franzose betritt tatsächlich noch einmal die Bühne.

Als Zugabe gibt er einen kleinen Ausblick auf das am 2. Dezember 2016 erscheinende Abschlussalbum seiner 1977 beginnenden Oxyègene-Triologie: Oxygène 3. Erscheinen wird das Album auf CD, für wahre Musikliebhaber auf Vinyl und (als CD bzw. Vinyl-Edition) als Box-Set das, neben allen 3 Oxygène-Alben, als Zusatzmaterial ein aufwendig gestaltetes Buch mit sich bringt, das seltene Fotos und Notizen zur Oxygène Geschichte beinhaltet. Er spielt aus diesem Album den Track Oxygène 17 und untermalt diesen visuell mit sich drehenden Schädeln auf der hinteren Leinwand sowie Lasern Richtung Decke der Festhalle.

Der Titel Stardust soll das letzte Stück des Abends sein. Und der Großmeister fährt noch einmal alles auf, was er an Animation, Lichtshow und musikalischem Können in petto hat. Visuell endet das Konzert wie es begonnen hat: mit sich drehenden Würfel auf der Leinwand, nur das diese noch farbenprächtiger erscheinen, wie in der Eröffnungssequenz. Und dann ist dieses Konzert wirklich zu Ende.

Fazit: Ein Konzert, dass nur schwer zu beschreiben ist und auch dieser Text wird dem Erlebten nicht gerecht, wie ich leider zugeben muss. Jean-Michel Jarre hat an diesem Abend erneut unter Beweis gestellt, dass er nicht nur der Altmeister der Electronic Music ist, sondern auch, dass es eine zeitlose Musik ist, die Generationen bewegt und der man sich nur schwer entziehen kann. Jean-Michel Jarre hat bei der Zusammenstellung seiner Setliste alles richtig gemacht. Eine gute Mischung aus aktuellen Stücken des Doppelschlags Electronica 1 und 2, als Überraschung ein unveröffentlichtes Stück, Songs die ihren Weg zurück auf die Bühne fanden und Klassiker – den ein oder anderen angepasst an den Sound von heute. Kein Wunder eigentlich. Er selbst sagte einmal in einem Interview, das die an einem Abend gespielten Stücke eine gute Symphonie aus Stimmung und dramatischen Elementen ergeben muss um ein gutes Gesamtkonzept zu erschaffen.

Setliste:
The Heart Of Noise
Automatic 2
Oxygène 2
Circus
Web Spinner
Exit
Équinoxe 7
Conquistador
Oxygène 8
Zero Gravity (Above & Beyond Remix)
Souvenirs De Chine
Immortals
Brick England
The Architect
Oxygène 4
Équinoxe 4
Glory
The Time Machine (mit Laser Harp)

Encore:
Oxygène 17
Stardust

Verse Edward Snowden:
Technology can actually increase privacy. The question is: why are our private details that are transmitted online, why are private details that are stored on our personal devices, any different than the details and private records of our lives that are stored in our private journals? I think, you know, saying that you don’t care about the right to privacy because you have nothing to hide is no different than saying you don’t care about freedom of speech because you have nothing to say. It’s a deeply anti-social principal because rights are not just individual – they’re collective. What may not have value to you today, may have value to an entire, you know, population, entire people, an entire way of life tomorrow. And if you don’t stand up for it, then who will?

Sonja Häfner

 

Leider können wir Euch nicht von allen visuellen Highlights Fotos zeigen, da hier die Fotoregel NUR DIE ERSTEN FÜNF STÜCKE zum Tragen kam. Aber folgt einfach dem Link, und schaut, wie beeindruckend schon in dieser kurzen Zeit die Lightshow war!

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