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Excalibur – The Celtic Rock Opera
Festhalle Frankfurt – 9.
Dezember 2016

nach dem neuen würdigen Träger des sagenumwobenen Schwertes Excalibur lockt an diesem Abend rund 2.000 Besucher in die Festhalle nach Frankfurt. Die Geschichten rund um König Artus
und seine treuen Weggefährten, der große Zauberer Merlin und sein Kampf gegen die böse Fee Morgan le Fay, die Halbschwester von König Arthur, faszinieren jeden. Und so ist es nicht weiter verwunderlich das der französische Komponist Alan Simon dieses Jahr mit dem vierten Teil seiner Celtic Rock Oper auf Reisen geht: Excalibur – The Dark Age oft he Dragon!

Aber die Reise scheint vom Pech verfolgt zu sein: müssen doch gleich zwei starke Charakterrollen vor Tourstart neu besetzt werden. John Wetton, Sänger und Bassist von ASIA, der eigentlich für die Rolle des König Arthur vorgesehen war, muss seine Teilnahme aufgrund seiner Krebserkrankung für die komplette Tour absagen. Für ihn springt Michael Sadler, Frontmann von SAGA, ein. In einem Interview äußerte sich Sadler so: ‚Ich freue mich auf die Shows und hoffe, die Rolle mit Leben füllen zu können!‘

Nur wenige Tage vor der ersten Show dann die nächste Hiobsbotschaft: der deutsche Schauspieler Michael Mendl, der Merlin spielen soll, fällt ebenfalls wegen Erkrankung aus. Ersatz ist schnell gefunden: der 22 Jahre jüngere Ralf Bauer, ebenfalls ein bekannter deutscher Schauspieler, wird die Rolle des Merlin übernehmen.

Die Geschichte von Excalibur - The Dark Age oft he Dragon spielt in der heutigen Zeit. Nach einem tausend Jahre dauernden Schlaf – ein Bann ausgesprochen von der Zauberin Morgana – erwacht Merlin der Magier im Hier und Jetzt des 21. Jahrhunderts. Nun muss er sich in der neuen Welt zurechtfinden. Er ist fasziniert und schockiert zugleich von dem, was er sieht. Begeistert ihn das Moderne sieht er zeitgleich den Verfall der ritterlichen Tugenden mit Ärger und Wut. Und er fragt sich: Wohin gehst Du Mensch, was ist aus Dir geworden, wer kann dich vor deinem selbst gemachten Untergang bewahren?

Aber sein Glaube an das Gute im Menschen ist ungebrochen und so macht er sich auf, den Retter der Menschheit zu suchen. Aber allein und noch geschwächt von Morganas Bann kann er sich diesem Vorhaben nicht stellen. Mit alten Freunden, die mittlerweile im mystischen Avalon ihr zuhause gefunden haben, und neuen Freunden, die in der heutigen Zeit leben und Merlin erklären sollen, wie diese neue Welt funktioniert, macht er sich auf die Suche nach dem einen Menschen, der die Welt heilen kann, sie vereint. Dem neuen Träger des Schwertes Excalibur. Hört sich spannend an und ist mit großen Namen aus der internationalen Musikszene auch bestens besetzt und lässt die Zuschauer erwartungsvoll Platz nehmen.

Mit einem Paukenschlag geht es los und Videosequenzen laufen im Hintergrund. Und tatsächlich, da ist er: der Drache. Er zieht seine Bahnen über Camelot und der heutigen Welt. Dunkel und mysteriös fliegt er durch die Luft bis er in der Ferne verschwindet. Sehen werden wir den Drachen an diesem Abend nicht mehr. Schade eigentlich, ist er doch Teil des Titels dieser Rockoper. Aber es bleibt nicht viel Zeit zum Innehalten. Der erste Solist hat seinen Auftritt und Dun Aengus (Roberto Tiranti von Labyrinth) als Percival betritt die Bühne und lässt seine eindrucksvolle Stimme ertönen mit dem Opener Song Don’t Be Afraid. Wenn es so weiter geht, wird das ein richtig guter Abend.

Dass es dann doch ein nicht ganz so guter Abend wird hat verschiedene Gründe. Schwächen in der Technik, so dass bei einigen Songs die Solisten kaum zu verstehen sind – besonders gegen Ende des ersten Aktes trifft es die Sopranistin Moya Brennan als Die Dame vom See. Bei ihrem Stück hört man kaum ihre Stimme und wenn, klingt sie sehr gebrochen und wird der Künstlerin und ihrem Können in keiner Weise gerecht. Zum Glück wird hier in der Pause eifrig korrigiert, so dass im zweiten Akt zumindest die Fehler der Tontechnik weitestgehend behoben sind.

 

Das ist aber nicht das Einzige, was an diesem Abend schief läuft. Wer links von der Bühne sitzt gerät bei den Soloauftritten von Siobhann Owen, die die Drachenfee verkörpert, ins Kreuzfeuer des rosa Schweinwerfers aus dem Hintergrund. Eigentlich sollen diese die Zartheit der Drachenfee symbolisieren und für ein helleres Licht sorgen, wenn die Nahaufnahmen der Künstlerin auf die rechts und links hängenden Leinwände projiziert werden. Aber der Winkel des Schweinwerfers ist so ungünstig gewählt, dass viele Besucher nicht auf die Bühne schauen können und den Kopf wegdrehen, um nicht minutenlang geblendet zu werden. Schade, denn Owen an ihrer keltischen Harfe ist eines der Highlights an diesem Abend. Die Rolle der Drachenfee wurde extra für diese Oper erschaffen und die 23jährige sorgt mit ihrer emotions-geladenen Stimme für Gänsehautmomente.

Soviel zu den technischen Fehlern des Abends. Aber was ebenfalls enttäuscht, ist der Ablauf des Abends. Merlin wandert auf der Bühne auf und ab, stellt sich zweifelnd Fragen, ruft alte und neue Freunde zur Hilfe, die ein kurzes Gespräch mit ihm führen, ihm seinen Wunsch nach einer musikalischen Einlage erfüllen, um anschließend ohne Erfolg versuchen, Excalibur aus dem Stein zu ziehen. Danke, das war es, bloß keine Zeit verlieren. Next please. Es sind immer wieder die gleichen wiederkehrenden Szenen. Jede für sich eine kostbare Perle, die an einer Schnur aneinander gereiht werden. Jede einzelne Perle für sich wunderbar, aber eben nur für sich allein. Was fehlt ist das Bindeglied dazwischen, eine sich aufbauende Spannung, ein Auf und Ab der Emotionen.

Auch die Tanzeinlagen bei einzelnen Songs wirken das ein oder andere Mal deplatziert und enttäuschen ein wenig. Die charakteristischen Klick-Geräusche des Riverdance bleiben den Besuchern vorenthalten, was sicherlich an dem nicht dafür geeigneten Boden liegt und nicht am Können der Tänzer. Tänzerisches Highlight: die Darbietung von Prima Ballerina Olesia Gapienko. Einfach großes Kino.

Natürlich liefert sich Merlin dazwischen immer wieder Machtkämpfe mit seiner ewigen Widersacherin Morgan le Fay. Diese scheint immer und überall zu sein. Sie führt Merlin vor und verspottet ihn ein um das andere Mal. Wunderbar symbolisch dargestellt durch die Aerial-Art Künstlerin Simone Heitinga, die in schwindelerregender Höhe ihr Können zeigt und akustisch durch die Stimme (wohl von Band) der deutschen Schauspielerin und Synchronsprecherin Gabrielle Scharnitzky.

Wie schlagen sich aber die kurzfristig eingesprungenen Darsteller von König Artus und Merlin? Leicht haben es beide nicht, müssen sie doch in kurzer Zeit die Rollen verinnerlichen.

Gerade Ralf Bauer als Merlin hat hier viele Textpassagen und schlägt sich wacker im Kampf gegen das Vergessen dieser Welt. Keine offensichtlichen Hänger bei den Monologen sind ein Beweis dafür, dass Ralf Bauer ein erstklassiger Schauspieler ist und sich mit vollem Herzen auf die Tour mit Excalibur vorbereitet hat. Optisch hätte ich mir persönlich gewünscht, dass man ihn etwas mehr Alter ins Gesicht geschminkt hätte. Er wirkt zu jugendlich für den ehrwürdigen Magier Merlin, zu aufrecht im Gang.

Michael Sadler als König Artus hat es da etwas einfacher. Seine gesprochene Passage im Wortwechsel mit Merlin kommt von Band um zu verdeutlichen, dass dieses Gespräch nur in den Köpfen stattfindet und keiner von beiden seine Lippen bewegen muss. Sie verstehen sich nach wie vor blind, die beiden Weggefährten. Sadler überzeugt aber auch mit schauspielerischem Talent: prima, wie er die schwindenden Kräfte des ehemals so großen Königs zeigt. Die innere Zerrissenheit, hervorgerufen durch die Gefangenschaft zwischen den Welten. Weder bereit zu sterben, noch in der Lage, im Hier und Jetzt zu leben.

Gleich zwei Songs hintereinander präsentiert an diesem Abend Ritter Jesse. Seine Songs Forget Your Sorrow und You Are The Sunshine sind Symbol für den kommenden Neuanfang dieser Welt, den sich Merlin so sehr wünscht. Die warme Stimme von Supertramp Mitglied Jesse Siebenberg gibt diese Stimmung perfekt wieder. Aber auch er scheitert bei dem Versuch, Excalibur aus dem Stein zu ziehen.

Am Ende ist es dann ein kleines Mädchen – aus dem Publikum erkoren – dass das Schwert aus dem Stein zieht und die neue Welt retten kann.

Fazit: Die Suche nach dem reinen Herzen, dass das Schwert Excalibur aus dem Stein ziehen kann ist beendet. Sarah, das kleine Mädchen in der Frankfurter Festhalle ist das Symbol für die neue Welt und verkörpert die Hoffnung, dass wir alle uns daran erinnern, das die Welt ein wunderbarer Ort zum miteinander Leben und Lachen ist.

Die Suche nach einem spektakulären Konzertabend geht leider weiter. Dem Abend fehlt es an einem roten Faden, der sich durch beide Akte und die Zuschauer in den Bann zieht. Hier haben sich viele Besucher mehr erwartet. Und genau das ist es, was ich in der Pause und nach dem zweiten Akt von einigen Besuchern um meinen Sitzplatz herum höre: „Super Stimmen, klasse Tanzeinlagen aber irgendwie fehlt etwas“.

Richtig kraftvoll und stimmungsgeladen wird es am Ende der Show, als alle Darsteller vorgestellt werden, begleitet von einem virtuos gespielten Instrumentalstück der Band. Auch Dun Aengus darf noch einmal mit Don’t Be Afraid zeigen, wie großartig dieser Abend hätte werden können, wenn es Alan Simon gelungen wäre, die Spannung aufrecht zu erhalten.

Keine Frage, alle Mitwirkenden haben an diesem Abend eine überzeugende Performance abgelegt. Egal ob Solist, Band, Klassisches Orchester oder Tänzer und Akrobatin. Aber im Gesamtbild fehlte etwas. Der Zauber, den diese Rockoper ohne weiteres hätte aufleben lassen können. Schade.


Setliste:
The Wings Of The Dragon
Don’t Be Afraid
Stonehenge
Behind The Stars
The Passion
The New Times
The Last Lament Of A Fairy
Alone
Sacred Lands
Calling For You
The Last Dragon
Dreamers
Where Is The Sunshine
Forget Your Sorrow
Behind The Mist
You Don’t Know
Evil Day
I will Be Forever
There Is Someone
Silvermoon
Beltaine

 

An diesem Abend standen auf der Bühne:
Komponist Alan Simon als Galahad, Ralf Bauer als der wieder erwachte Merlin, SAGA-Frontmann Michael Sadler als König Arthur, Ex-Clannad Mitglied Moya Brennan als Die Dame vom See, Maite Itoiz von Elfenthal als Guinevere, in der Rolle des ewig liebenden Lancelot: John Kelly (ebenfalls Elfenthal) und Maggie Reilly (Mike Oldfield Band) als Göttin Dana. In den Rollen der Prinzen: Eric Fish von Subway To Sally als Ritter Fish, John Helliwell von Supertramp als Ritter John und - ebenfalls von Supertramp - Jesse Siebenberg als Ritter Jesse sowie Martin Barre von Jethro Tull als Ritter Martin. Als Percival auf der Bühne: Dun Aengus alias Roberto Tiranti von Labyrinth und Sopranistin Siobhan Owen als Die Drachenfee. Aerial-Art Künstlerin Simone Heitinga verkörperte die Fee Morgana.

Die Tänzer des Abends: Prima Ballerina Olesia Gapienko sowie Sarah Fennell, Leanne Phelan, Fiona McCabe, Chris Naish, Kevin Goble und Christopher MacSorley.

An den Instrumenten: Guido Carlie (Drums, Percussion), Paolo Ballardini (Gitarre), Massimo Palermo am Bass, Marco Canepa am Keyboard, Konan Mevel (Keltische Flöte und Dudelsack) sowie Louis Marie Seveno (Keltische Flöte). Als klassischer Gegenpart das Bohemian Symphony Orchestra Prague unter der Leitung von Martin Sanda.

Sonja Häfner

Zu den Fotos dieses bunt gemischten Abends geht es hier entlang…