All for Joomla All for Webmasters

musicblox, Frankfurt, Jahrhunderthalle, katiemelua, goriwomenschoir

Der Winter kann kommen …

Katie Melua & Gori Women’s Choir
Jahrhunderthalle Frankfurt - 28. Oktober 2016

Katie Melua – die georgisch-britische Sängerin veröffentlichte am 14. Oktober ihr mittlerweile siebtes Studioalbum In Winter. Für die Künstlerin eine Herzensangelegenheit. Zusammen mit dem Gori Women’s Choir aus ihrer alten Heimat Georgien hat sie 10 besondere Lieder ausgewählt auf ihre ganz eigene Art und Weise komponiert, gecovert und neu arrangiert. Alle sind, der namensgebenden Jahreszeit angepasst, ein wenig melancholisch und nachdenklich, aber nicht weniger eindrucksvoll. Das Zusammenspiel der glasklaren Stimme der Sängerin und dem polyphonen Gesang des Frauenchors lassen die beiden (musikalischen) Kulturen miteinander verschmelzen und bieten ein Hörerlebnis der besonderen Art.

Das Bühnenbild ist an diesem Abend schlicht gehalten. Ein paar reduziert beleuchtete Paravents im hinteren Bereich sind der einzige Bühnendekor. Auf der linken Bühnenseite der Bassist und auf der gegenüberliegenden Seite der Organist – sie sind die instrumentale Unterstützung an diesem Abend. Die Stimmen sind das, was an diesem Abend im Vordergrund steht.

Der Abend beginnt mit etwas Verspätung. Das Bühnenlicht wird noch einmal leicht abgesenkt, als der Frauenchor die Bühne betritt und seinen Platz im hinteren Bühnenbereich einnimmt. Sofort stimmt er das ukrainische Volkslied Shchedryk in seiner Muttersprache an. Im europäischen Raum ist das Lied eher als Carol Of The Bells bekannt. Still und leise betritt währenddessen Katie Melua die Bühne und stimmt in den Gesang mit ein – ebenfalls in ihrer Muttersprache.

Die Künstlerin präsentiert im ersten Teil des Konzertabends komplett ihr neues Album. Zum Teil auf Englisch, einige Stücke in ihrer Muttersprache. Aber auch hier zeigt sich die Stimmgewaltigkeit der Sängerin, selbst wenn sie manche Zeilen nur sehr verhalten und als Ergänzung zum Chor singt. Sie ist mit ihrem ganzen Herzen dabei und nimmt das Publikum mit auf eine Reise in ihre Heimat. Bei einigen Stücken nimmt sie sich die Zeit und erzählt den aufmerksamen Besuchern, wo die Lieder ihre Wurzeln haben oder wie es zur Entstehung kam. So auch bei dem von persönlichen Erinnerungen geprägten Titel Plane Song, bei dem die Chorleiterin die besondere Stimmung durch Mitpfeifen stilistisch untermalt.

Ein besonderer Moment im ersten Teil sicherlich das Stück All-Night Vigil (Nunc Dimittis aus der Nachtwache von Sergej Romaninov), wieder vorgetragen in der Muttersprache. Eine perfekte Symbiose von zarten Tönen und kraftvollen Stimmen. Nicht weniger eindrucksvoll: Leganelul Lui Lisus –der Soloauftritt des Frauenchors. Kraftvoll –jedoch ohne Kraftanstrengung – präsentieren Sie dieses georgische Folklorestück.

Zugegeben, In Winter ist ein melancholisches Album. Es passt aber wunderbar in die (Vor-)Weih-nachtszeit und markiert sicherlich einen weiteren Meilenstein in der Karriere der Ausnahmekünstlerin. Bedeutet aber auch, dass der erste Teil dieses Abends eine gewisse Schwermütigkeit mit sich bringt. Wer sich im Vorfeld nicht mit dem Album vertraut gemacht hat und auf einen leichten Popsong-Abend eingestellt war, entdeckt eine neue Seite an der Sängerin.

Der zweite Teil des Abends klingt dann schon etwas vertrauter. Melua präsentiert ausgewählte Songs ihrer Alben, unter anderem Call Off The Search und Thank You Stars. Neu arrangiert und an den Abend angepasst. Bei ihren bekanntesten Songs Nine Million Bicycles und The Closest Thing To Crazy untermalt der Chor noch einmal den Gesang von Melua mit leichten, aber kraftvollen Akzenten. Aber auch besondere Coverversionen finden ihren Platz im zweiten Teil. Darunter Titel wie Wonderful Life von Black oder das Lieblingsstück der Sängerin Bridge Over Troubled Water von Simon & Garfunkel, das eindeutig der Höhepunkt dieses Teils ist.

Mit The Closest Thing To Crazy verabschiedet sich Katie Melua von der Bühne, bevor sie für das Finale noch einmal zurückkehrt. Mit den Stücken Satrfialo – wunderbar das Wechselspiel vom Chor und Melua, die hier abwechselnd singen – und I Cried For You endet ein vielstimmiger, mehrsprachiger Abend voller Erinnerungen und einer ungewohnten Katie Melua.

Fazit: Die Künstlerin mit der glasklaren, manchmal zerbrechlich wirkenden, Stimme verzaubert. Gemeinsam mit den kraftvollen Stimmen des Gori Women’s Choir. Gerade die eher schlicht und einfach arrangierten Stücke beweisen, wie ergreifend die Musik der Sängerin ist. Ein Abend, mit anfangs sakraler Wirkung und folkloristischen Songs, und voller Atmosphäre. Katie Melua hinterlässt mit diesem Konzert einen tiefen Eindruck.

Setliste:

Shchedryk (The Little Swallow / Carol Of The Bells)
River
Perfect World
Leganelul Lui Lisus (Cradle Song)
A Time To Buy
Plane Song
Tu Ase Turpa Iyavi (If You Are So Beautiful)
Dreams On Fire
Nunc Dimittis (All-Night Vigil)
O Holy Night


Crawling Up A Hill
Fancy
Belfast
Call Off The Search
Thank You Stars
Bridge Over Troubled Water
Wonderful Life
Nine Million Bicycles
The Closest Thing To Crazy
Encore:
Satrfialo
I Cried For You

Sonja Häfner

Katie Melua und der Gori Women’s Chor in Bildern…